Allgemein

Einladung zum Vortrag:

Die Geschichte des Lattenberges in Wort und Bild

Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Für die Menschen aus Oeventrop und den umliegenden Orten führen ebenso viele Wege zum Lattenberg, jener Waldsiedlung am Plackweg auf dem Kamm des Arnsberger Waldes. Gemeint ist meist das „Waldgasthaus Schürmann“, Mittelpunkt der seit mehr als 150 Jahren existierenden Ansiedlung. Für jede Generation ist bis heute das Gasthaus Ziel sommerlicher Wanderungen und Spaziergänge. Fernwanderer und Autotouristen machen hier oben Rast.

Der Hirschberger Heimatforscher Franz-Josef Gröblinghoff hat in zahlreichen Archiven viele Jahre lang geforscht und die Siedlungsgeschichte des Lattenberges und das Leben seiner Bewohner in Dokumenten, Bildern und Geschichten zusammengefasst.

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte Oeventrop (AKO) lädt für Sonntag, den 4. März, um 17.00 Uhr zu diesem sehr interessanten Vortrag in die Aula der Grundschule Dinschede ein.

Die exponierte Lage dieser kleinen Ansiedlung stellt die Bewohner bis heute vor besondere Herausforderungen. Davon weiß Franz-Josef Gröblinghoff, neben den geschichtlichen Fakten, anschaulich in Geschichten und Anekdoten zu berichten.

Ein Wort-Bild Vortrag, der auch für ein junges Publikum interessant ist. Der Eintritt ist frei, Getränke werden in der Pause angeboten.

Franz-Josef Molitor

Die Entstehung der Siedlung Lattenberg

Vortragsabend im Gasthof Schürmann

Am Mittwoch, dem 20.9.2017 fand um 18 Uhr im Waldgasthaus Schürmann ein bemerkenswerter Vortrag statt. Franz-Josef Gröblinghoff, Realschullehrer aus Hirschberg, hat diesen historische Arbeit, die durch zahlreiche Schaubilder untermalt wurde, in mühseliger Kleinarbeit zusammengestellt. Seit 3 Jahren führt Herr Gröblinghoff auch in der Adventszeit die Laternenwanderungen mit Glühweinausschank durch und ist daher dem Hause Schürmann sehr verbunden.

Der Vortrag gliederte sich in 7. Punkte:

1. Woher kommt der Name Lattenberg
2. Wie kam es zur Forstcolonie Lattenberg
3. Der Zuzug der Waldarbeiterfamilien
4. Die Familienchroniken der Familien von der Besiedlung bis heute
5. Die Försterei und ihre bisherigen Beamten
6. Die Wasserversorgung auf dem Lattenberg
7. Heinz-Wilhelm Schürmann, Uropa von Henriette, berichtet über das Leben auf dem Lattenberg.
Der Vortrag war so komplex, das in diesem Kurzbericht nicht im Einzelnen darauf eingegangen werden kann.


Es wäre daher anzuraten, dass ein Oeventroper Verein mal Herrn Gröblinghoff zu einem Vortragsabend einlädt. Es kamen so viele interessanten Details an die Öffentlichkeit, wie sie auch uns Pohlbürgern so nicht bekannt waren und sicher, insbesondere den älteren Menschen, sehr gefallen würde.

Der Hirschberger Historiker, der sich in der näheren Umgebung auch einen Namen in der Erforschung der heimischen „Spitznamen“ gemacht hat und ebenso Nachforschungen betrieben hat, wie die traditionellen Wegnamen entstanden sind, referierte sehr unterhaltsam. Die rund 25 Gäste fühlten sich bestens informiert und gut informiert. Nach ca. 140 Minuten dankten sie dem Gastredner mit einem herzlichen Applaus.

Text und Foto: Franz-Josef Molitor

Franz-Josef Gröblinghoff, Heimatforscher und Kenner der “Dinscheder Mark” aus Hirschberg bei seinem Vortrag auf dem Lattenberg

Arbeitskreis Ortsgeschichte (AKO) sucht alte Super-8-Filme

Am gestrigen Montag tagte wieder der AKO in der alten Dinscheder Schule zur Sichtung und Archivierung der erhaltenen Dokumente, Unterlagen, Bücher, Bilder usw.

Ein Mitglied beglückte uns mit einer großen Auswahl an historischen Super-8-Filmen, was zugleich die Frage aufwarf, doch in der Bevölkerung nach weiteren Filmen zu suchen.

Es geht dem AKO nicht darum, ihre Hochzeits-, Kommunion-, Geburtstags- oder Urlaubsfilme an zu schauen; die Familienbilder als solche sind für uns weniger wichtig; wichtig sind viel mehr die Bilder die dabei am Rande entstanden sind und interessante Personen unseres Dorfes auf Zelluloid festgehalten haben. Ein Beispiel: Ihre damalige Hochzeit fand im bekannten „Haus Dinschede“ statt und irgendwann wurde vom Kameramann auch mal der Wirt, Kampschulten Willi oder seine Frau Hannah aufgenommen; oder Schmieden Tünnes beschlägt ein Pferd usw. Diese kurzen Schnipsel sind es, die uns interessieren und die wir sammeln möchten. Stellen Sie sich mal vor, wie interessant ein solcher Zusammenschnitt aus hundert oder mehr Szenen wäre. Die ganze Bevölkerung könnte sich dann demnächst an diesen herrlichen Filmen erfreuen, die wir gerne auf Altentagen usw. zeigen würden.

Nun werden Sie sich sagen, soll ich jetzt etwa meinen Film auseinander schneiden und dem AKO geben? Nein, das sollen Sie nicht! Wir haben derzeit noch (aber nicht mehr ganz, ganz lange) die Möglichkeit, dass uns eines unserer Mitglieder auf professionelle Art und Weise die Filmschnipsel auf DVD brennen kann! Diese Zeit möchten wir nutzen und bitten daher noch mal, uns solche Filme zur Verfügung zu stellen, in denen nach ihrer Meinung solche Filmsequenzen vor kommen (Urlaubsfilme aus den Dolomiten oder Sylt also bitte nicht!). Und als kleine Entschädigung erhalten Sie von uns auch noch eine DVD mit ihrem kompletten Film und den Originalfilm erhalten Sie natürlich auch unversehrt zurück!

Kontakte bitte über info@oeventrop.de

Franz-Josef Molitor

Jüdische Jugendliche in Oeventrop

An- und Abmelde-Register: Amt Freienohl im Stadtarchiv Meschede: Archiv Freienohl: im Amtshaus Freienohl

von Dr. Siegfried Kessemeier

Daten:

Anmelde-Termin, Abmelde-Termin; Name, Vorname, Stand / Beruf; Geb. Datum; Konfession; ledig / verheiratet; Militär; Herkunftsort, Ankunftsort, neuer Zielort.

Auszüge, unvollständig (mehrere Bände)

hier nicht aus allen zitiert: weil ich nur Freienohl ausgewählt habe!

1912 – 1917

Rosenthal, Georg

Rosenthal, Hedwig

Ritz, Josef

Ransebberg, Rosa

Rosenthal, Emmi

Rosenthal, Georg

Ranseberg, Max

Rosenthal, Hedwig

Rosenthal, Elli

Rosenthal, Klara

Rosenthal, Bernhardina

Simon, Rosa

1904 – 1907

Jacob, Debora

Heinrich Pasternak

Vita des Sauerlandmalers Hermann Springborn

von Ludwig Hoppe

Hermann Springborn (1905 – 1964)

Der Zufall brachte die Begegnung zwischen Hermann Springborn und dem Sauerlanddorf Oeventrop zustande. Als schwerkranker Soldat kam Springborn zur Genesung ins Reserve-Lazarett Oeventrop, ins ehemalige Kloster der Hiltruper Missionare.

Aufgewachsen im niederrheinischen Kempen, erlernte er dort das Anstreicher- und Malerhandwerk. Sein Können als Zeichner und Maler verwirklichte er in der Folgezeit als Bühnenbildner und Dekorationsmaler. Ein wirklicher Maler war er noch nicht, auch wenn sein Talent längst erkannt war.

Während seiner Genesungszeit in Oeventrop förderte und ermutigte der Oberfeldarzt Dr. Neuenzeit in dem Patienten Springborn den Künstler und Maler. Und schon bald zog Hermann Springborn mit seinen Malutensilien durch die Gassen und Winkel des Ortes, malt die Ruhrauen, Bachtäler und Wiesengründe des Sauerlandes und lernte so das Dorf und seine Umgebung kennen und lieben.

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Auch die Menschen lernten ihn lieben, malte er doch ganz nach Art der Impressionisten zum Ende des 19. Jahrhunderts als „Freiluftmaler“ vor den Augen der Menschen.

In seinem „Atelier“ hinter der Stemann`schen Kegelbahn sahen ihm die Dörfler über die Schulter und waren gleichermaßen vom Malen und von seiner Erzählkunst fasziniert.

„Mit der „Pief“ im Mund, im weißen Malerkittel, den Schalk im Nacken“ (1) sahen die Menschen ihn mit seinem Rennrad – es stammte noch aus Amateur-Zeiten, als er erfolgreich Radrennen auf vielen Bahnen in Deutschland bestritt – zu den Malorten fahren.

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So wurde er nach und nach einer von ihnen, auch wenn er so anders war, etwas Besonderes. Das Dorf Oeventrop und das Sauerland wurden seine neue, seine zweite Heimat.

Der Autodidakt H. Springborn vervollkommnete seinen Malstil, wurde gefördert von bereits anerkannten Malern, und schon bald hingen Bilder in großen Kunstausstellungen und Museen Westfalens.

Auch den Leuten gefielen die Bilder, sie erwarben sie gegen Geld oder – viel häufiger – gegen Naturalien. Manche dieser Bilder sind mit „schnellem Pinsel“ gemalt, mehr dekorativ und gefällig, dem Geschmack seiner Käufer entgegenkommend.

Der eigentliche Springborn zeigt sich in den Bildern, in denen er spontan und impressiv, mit kühnem Farbauftrag Stimmungen einer Landschaft, einer Jahreszeit, eines Naturereignisses, einer Industrielandschaft einfing. Dieser „impressive Realismus“ (2) wurde sein Stil.

Viele seiner Bilder sind auch Zeugnis vom Wandel der Region und sind dadurch zum „Gedächtnis dieser Region“ geworden. Beides sind Gründe, diesem Maler einen gebührenden Platz im neu entstehenden Museum in Arnsberg einzuräumen.

Kunstwerke sind zeitnahe Interpretationen und Sichtweisen von Welt. Das erklärt ihre Vielfalt und die individuelle Ausgestaltung durch den Künstler. So sind auch Springborns Bilder zu betrachten. Sie sind nicht auszuspielen gegen progressive Kunst von heute. Sie zeigen ihre Aussagekraft im impressiven, zeitgebundenen Malstil.

Es ist die Absicht des Arbeitskreises Ortsgeschichte, mit dieser Ausstellung und der Kalender-Publikation dem Künstler Hermann Springborn zum 110. Geburtstag eine gebührende Würdigung zu geben.

Mit nur 58 Jahren verstarb Hermann Springborn in seinem „Heimatort“ Oeventrop.

S. Kessemeier sagte zur Eröffnung der ersten Gedächtnisausstellung vor 25 Jahren: Er gehörte zu den Menschen, die sich schnell verzehren, weil sie intensiver leben. Öfter sind Künstler solche Leute – und er war einer.

Quellen:

1. Karl-Jochen Schulte: Hermann Springborn – Ein Maler aus Oeventrop, Sauerland Nr.1/März 2010

2. Siegfried Kessemeier: Eröffnungsrede zur Gedächtnisausstellung H. Springborn im Sauerlandmuseum, 1989

3. Fotos s/w: Karl-Jochen Schulte, aus dem Nachlass Springborn/Westphal

4. Foto Porträt: Allessandro Pirillo, Porträt gemalt von P. W. Söchtig, 1948

Die jüdischen Familien in Oeventrop im Dritten Reich

von Dr. Siegfried Kessemeier

JUDISCHE FAMILIEN IN OEVENTROP

EINE ERSTE ÜBERSICHT

Arnsberg 2002

Dieser Text ist aus der Broschüre, die zur Einweihung des Denkmals auf der Kirchstraße herausgegeben wurde.

Das Original liegt mir leider nicht vor!

DIE VERLORENEN NACHBARN

Juden kamen nach Oeventrop seit den 1870er Jahren, als sich der Ort nach dem Eisenbahnbau und im Zuge wirtschaftlichen Aufschwungs der Gründerzeit fortentwickelte. Sie wohnten auf der Kirchstraße, der neuen Ortsmitte, wo sie bis etwa 1910 fünf Häuser bauten. Zwei davon sind in alter Form erhalten: Haus Ransenberg, Kirchstr. 12 und Haus Rosenthal, Kirchstr. 37. Das Haus des Metzgers Berthold Jakob, Kirchstr. 49 (heute Kolpinghaus), wurde gänzlich umgebaut. Haus Meyer Jakob, Kirchstr. 53 und Haus Simon, Kirchstr. 41, wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Ansässig waren zunächst vier Familien, die sich in den beiden nächsten Generationen vergrößerten:

RANSENBERG aus Freienohl, Vieh und Pferdehandel;

ROSENTHAL aus Langschede, Geschäft für Lebensmittel und Haushaltswaren, später Textilien;

SIMON, nach Angabe von Zeitgenossen aus Luxemburg, Textilgeschäft;

JAKOB aus Freienohl, Vorvater aus Calle, Metzgerei und Viehhandel.

Die Begründer der Oeventroper Familien waren: Jacob Ransenberg (1846-1897); Daniel Jakob (geb. 1853), nach ihm der Familien-Beiname “Dängels”; Louis Rosenthal (1858-1915); Edmund Simon (1874-1925). Aus diesen Familien gingen zusammen 25 Kinder hervor, in Oeventrop geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Teils sind sie geblieben, teils fortgezogen wegen Heirat oder aus beruflichen Gründen.

Die dritte Generation wurde noch vor der NS-Zeit, in den Jahren 1912-1926 geboren: Erich Jakob 1912, Walter Jakob 1919, Margot Jakob 1922, Heinz Rosenthal 1926. Die Verfolgung traf diese damals jungen Menschen besonders hart. Margot Jakob wurde 1935 nicht mehr in das Arnsberger Lyzeum aufgenommen; Erich Jakob war frisch verheiratet, als der Pogrom hereinbrach; Heinz Rosenthal konnte im Juni 1941 nur noch knapp in die USA entkommen.

Die jüdischen Oeventroper waren vor 1933 angesehene Mitbürger und Nachbarn und mit dem Dorf verbunden. Ihre Integration hatte sich in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik positiv entwickelt. Louis Rosenthal z.B. war schon vor dem 1. Weltkrieg einmal Vorsitzen der des Turnvereins “Germania”. Einer der Ransenberg-Söhne, Albert (geb.1885), war im 1. Weltkrieg Vizefeldwebel und genoß entsprechende Achtung. Die Familie Jakob hatte mit ihren drei Oeventroper Zweigen (Meyer, Berthold, Joseph) besondere Bedeutung und war die wohlhabendste.

In Oeventrop lebten 1933-1942 dauernd oder zeitweilig insgesamt 29 jüdische Menschen, außerhalb insgesamt 9 in Oeventrop geborene, die eigene Familien gegründet hatten, sowohl in der näheren Umgebung (Wennemen, Meschede) und in Westfalen (Erwitte, Recklinghausen), als auch weiter entfernt (Berlin, Arnheim NL).

Die zunehmende Ausgrenzung und Diffamierumg seit Beginn der NS-Herrschaft 1933 veranlaßte Angehörige aller Familien, insgesamt 21 Menschen, zur Auswanderung nach England, Südafrika, Nord- und Südamerika sowie Palästina: 3 aus der Familie Ransenberg, 4 aus der Familie Rosenthal, 2 aus der Familie Simon, 12 aus der Familie Jakob. 12 Menschen wurden 1942/43 deportiert und Opfer des Holocaust.

Besonders schwer waren die Familien Rosenthal und Simon betroffen. Bei 6 Opfern wird als Zielort der Deportation Auschwitz genannt, bei 2 Theresienstadt, bei 1 Zamosc, bei 3 nur “Osten”. Mit jedem Namen ist ein individuelles Schicksal verbunden. Die aus Erwitte und Recklinghausen deportierten Simon-Töchter kamen mit ihren Familien um: Helene mit ihrem Mann und ihren Söhnen Horst (10 Jahre) und Werner (7 Jahre), Rosa mit ihrem Mann und ihrem Sohn Günther (14 Jahre). Auch zwei der vor der Deportation Gestorbenen fanden ein tragisches Ende: Henni Simon brachte sich 1934 als 24-jährige ums Leben; Mathilde Ransenberg, geb. Jakob, in Wennemen verheiratet, starb 1942 durch Herztod nach der Ermordung ihres Sohnes Günter (15 Jahre) im KZ Wewelsburg.

Aus Oeventrop gibt es bemerkenswerte Zeugnisse einer Ablehnung und kritischen Beurteilung der Judenverfolgung, z.B. von dem katholischen Pfarrer Josef Lösse (1869-1941). In der Chronik der katholischen Pfarrgemeinde Hl.Familie ist das dokumentiert: In den Jahren 1935-37 wurde Lösse u.a. wegen der Äußerung angezeigt, “daß die Juden auch Menschen seien”. 1938 schilderte er mit deutlicher Ablehnung das Pogrom-Ereignis in Oeventrop und schloß mit dem damals lebensgefährlichen Satz: “Es ist, wie ein einfacher Arbeiter sagte: Es ist der Abschaum der Menschheit, der Deutschland regiert.”

Die Pogrom-Ereignisse im November 1938 fanden in zwei Schüben statt: In der Nacht vom 9. zum 10. November Demolierung der jüdischen Geschäfte; die Hauptaktion am Nachmittag des 10. November in voller Öffentlichkeit mit Zerstörungen und Übergriffen in den jüdischen Wohnhäusern an der Kirchstraße. In der Dorfmeinung galt dies als eine Schande und wurde lange verdrängt, zumal ja Einheimische wesentlich daran beteiligt waren. Die Deportation der wenigen noch gebliebenen Oeventroper Juden ging im Kriegsjahr 1942/43 eher still vor sich und wurde, außer von den unmittelbaren Nachbarn, kaum wahrgenommen. Obwohl nach dem Kriege klar wurde, was mit ihnen geschehen war, blieben sie vom Totengedenken ausgeschlossen.

Abgesehen von einem Prozeß vor dem Arnsberger Schwurgericht im Frühjahr 1950, in dem 5 Haupttäter des Pogroms von 1938 zur Rechenschaft gezogen wurden, ist das Thema Oeventroper Juden bis in die 1970-er Jahre nicht öffentlich zur Sprache gebracht worden. Erst dann wurde in einigen Publikationen wenigstens ansatzweise wieder an ihr Schicksal erinnert (so von Carl Kessemeier in seinem Buch “Die Ruhrdörfer” 1982). Michael Gosmann ging 1991 in seiner Dokumentation “Juden in Arnsberg” erstmals näher auf die Geschichte der Familien Ransenberg, Rosenthal und Jakob ein. Auch Rudolf Brüschkes Dokumentation “Jüdisches Leben im Hochsauerland” von 1994 trug weiteres zur Kenntnis bei. Dennoch blieben noch viele Informationslücken und Unstimmigkeiten. Bis vor zwei Jahren gab es nur vage, teils irrige Vorstellungen und Vermutungen über die Zahl der Holocaust-Opfer und der Ausgewanderten. Jetzt endlich kennt man die exakten Daten. Sie sind auf der Gedenktafel verzeichnet, unübersehbar für jeden Bürger. Oeventrop verschließt vor einem dunklen Kapitel seiner Geschichte und den verlorenen Nachbarn nicht mehr die Augen.

JÜDISCHE FAMILIEN iN OEVENTROP 1875-1942

1. Familie Ransenberg, Kirchstr. 46 (heute Kirchstr. 12). Seit etwa 1875 ansässig. Jacob Ransenberg (30.4.1846-24.6.1897), verheiratet mit Dorothea Freibaum (26.8.1841-4.3.1922). Sechs Kinder: Rosalie (geb. 15.8.1872), Max (geb. 25.1.1875). Johanna (geb. 10.12.1877), Berta (geb. 12.10.1879), Mathilde (geb. 21.1.1882), Albert (geb. 1885). Max wurde in Meschede Pferdehändler, Albert Viehhändler. Beide hatten dort eigene Häuser. Sie wanderten mit ihren Familien 1938/39 aus: Max in die USA (gest. 8.5.1948 New York), Albert nach Argentinien (gest. 8. l.1959 Buenos Aires). Rosalie soll ebenfalls zu ihrer Tochter Erna in die USA ausgewandert sein. Johanna starb Mitte 1939, Beerdigung am 6.7.1939 auf dem jüdischen Friedhof in Arnsberg (Brüschke, S.355). Zuletzt lebten im Hause noch Berta und Mathilde Ransenberg. Sie wurden “nach Osten” deportiert und ermordet.

2. Familie Louis Rosenthal, Kirchstr. 53 (heute KirchsTr. 37). Seit etwa 1885 ansässig. Erst Lebensmittel- und Haushaltswaren-Geschäft, später Textilgeschäft. Louis Rosenthal (27.2.1858 Schwerte – 4.4.1915 Oeventrop), verheiratet mit Emma Ransenberg (14.4.1858 Wennemen – 23.1.1943 Theresienstadt). Sieben Kinder: Klara (geb. 18.6.1893), Georg (geb. 31.10.1894), Rosalie-Emma (Emmi, geb. 21.10.1896), Hedwig (geb. 7.6.1898), Bernhardine (Dinchen, geb. 26.1. 1900), Elisabeth (Elly, geb. 26.7.1901 ), Wilhelm (Willi, geb. 11.12.1902). Davon überlebten nur die 1938/39 nach England ausgewanderten: Hedwig (Juli 1991 noch in London lebend), Bernhardine (gest. 10.2.1984 London) und Wilhelin (gest. 23.3.1990 Montreal). Deportiert und in Auschwitz ermordet wurden: Klara, Georg, Rosalie-Emma und Elisabeth (verh. Raphael).

3. Familie Georg Rosenthal (31.10.1894 Oeventrop – Frühjahr 1942 Auschwitz), verheiratet seit ca. 1923 mit Hedwig Auerbach (14.4.1891 Telgte – Frühjahr 1942 Auschwitz). Zuerst wohnhaft in Oer-Erkenschwick, 1932 Rückkehr nach Oeventrop ins Haus der Mutter. Ein Sohn: Heinz (geb. 5.10.1926 Oer-Erkenschwick). Er kam 1939 in ein Kinderheim in Köln und konnte noch im Juni 1941 in die USA gelangen. 1947 Heirat mit Millie Black. Drei Töchter.

4. Familie Edmund Simon, Kirchstr. 89 (heute Kirchstr. 41, abgebrochen, Neubau Rickes/Blessenohl). Textilgeschäft. Edmund Moritz Simon (1874 -1925), verheiratet mit Berta Eichengrün (geb. 15.9.1878). Sieben Kinder: Selma (geb. 29.1 l.1901), Helene (Leni, geb. 12.2.1903), Rosa (geb. 16.10.1904), Gertrud (geb. 10.11.1906), Robert (geb. 2.7.1908), Henriette (Henni, 18.2.1910 – 12.9.1934), Julius (geb. 17.11.1911). Henni nahm sich I934 das Leben. 1934/35 wohnte vorübergehend der Sohn der verheirateten Tochter Rosa, Günther Rosenthal (geb. 24.2.1928 Recklinghausen) bei der Großmutter. Er besuchte von April 1934 bis April 1935 die Volksschule Oeventrop (1. Schuljahr) und wurde am 4.4.1935 nach Essen abgemeldet. Die Mutter Berta und ihre drei Töchter Selma (verh. Klipstein, Arnheim NL), Helene (verh. Eichenwald, Erwitte) und Rosa (verh. Rosenthal, Recklinghausen) wurden mit ihren Familien deportiert und ermordet. Es überlebten die Söhne durch Auswanderung nach Südafrika und die Tochter Gertrud (verh. Badouin) in Berlin.

5. Familie Berthold Jakob, Kirchstr. 104 (heute Kirchstr. 49, Kolpinghaus). Seit etwa 1905 Fleischerei mit Viehhandel und Wurstfabrikation. Berthold Jakob (19.10.1883 Oeventrop – 23.3.1949 Villa Maria/Argentinien), verheiratet seit etwa 1910 mit Berta Isenberg (28.9.1879 17.10.1936 Oeventrop). Auswanderung nach Argentinien Ende Juni 1939.

6. Familie Erich Jakob, Sohn von Berthold Jakob (27.4.1912 Oeventrop – 14.3.1994 Cordoba/Argentinien). Heirat am 9.6.1938 in Oeventrop mit Hildegard Stern aus Allendorf (geb. 28.11.1913 Allendorf). Bereits seit April 1938 lebte Hildegard Stern mit ihrer Mutter Adele Stern in Oeventrop. Auswanderung nach Argentinien Ende Juni 1939. Zwei Söhne: Carlito (geb. 11.11.1941) und Ernesto (geb. 31.10.1945).

7. Familie Meyer Jakob, Kirchstr. 49 (heute Kirchstr. 53, abgebrochen, Neubau Sparkasse Arnsberg-Sundern). Erstes Haus der seit etwa 1880 in Oeventrop ansässigen Familie mit Beinamen “Dängels” nach Daniel Jakob (geb. 4.2.1853 Freienohl), der vier Söhne hatte: Meyer, Berthold, Joseph und Karl; außerdem eine Tochter: Mathilde (geb. 23.4.1897 Oeventrop). Meyer Jakob (geb. 3l.l.1882 Oeventrop), der älteste, verheiratet, jedoch kinderlos, Viehhändler, bewohnte mit der Mutter Sara das Erdgeschoß des Hauses. Auswanderung nach Argentinien Ende Juni 1939.

8. Familie Joseph Jakob, Kirchstr. 49. Joseph Jakob (geb. 23.2.1892 Oeventrop), ebenfalls Sohn von Daniel Jakob, auch Viehhändler. Verheiratet mit Friederike Eichengrün. Zwei Kinder: Walter (geb. 23.5.1919 Oeventrop), Margot (geb. 13.1.1922 Oeventrop); Walter besuchte bis 1935 das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg, Margot wurde 1936 nicht mehr in das Arnsberger Lyceum aufgenommen. Die Familie bewohnte die erste Etage des Hauses. Auswanderung nach Argentinien Ende Juni 1939. – Bruder Karl (23.4.1897 Oeventrop – 27.6.1982 Israel) zog 1921 nach Arnsberg und machte sich als Viehhändler selbständig. Heirat mit Julia Levi (26.12.1896 Rhoden/Waldeck – 29.2.1976 Israel). Zwei Söhne: Heinz-Robert (geb. 1.12.1922 Arnsberg) und Helmut (geb. 14.9.1927 Arnsberg). Auswanderung nach Palästina 1939.

Anmerkung: Hier sind nur die bisher sicher ermittelten Daten verzeichnet. Daraus erklären sich manche Lücken in den Angaben. Diese können, wenn überhaupt, nur durch weitere Nachforschungen geschlossen werden.

SPUREN

Ihrer religiösen Tradition verbunden, besuchten die Oeventroper Juden die 1852 errichtete Arnsberger Synagoge, deren zum Wohnhaus umgebautes Gebäude bis heute erhalten ist. Sie übernahmen auch Verantwortung im Synagogenbezirk Arnsberg, zu dem sie gehörten: Von 1907 bis 1915 bzw. 1925 waren Louis Rosenthal und Edmund Simon Mitglieder des Repräsentanten-Gremiums, ebenso 1932 bis 1937 Berthold Jakob und Robert Simon. Überliefert ist, dass die Männer meist zusammen mit der Bahn nach Arnsberg fuhren, um am Gottesdienst in der Synagoge teilzunehmen. Ein Zeichen religiösen Bekenntnisses ist auch die Mesusa des Hauses Meyer Jakob (Kapsel mit einem Text der Thora, angebracht am Türpfosten), die die alte Frau Jakob bei ihrer Auswanderung 1939 dem Lehrer Müller, dankbar für erwiesene Freundlichkeit, zum Andenken hinterließ.

Die Toten der Oeventroper Familien fanden ihre letzte Ruhe auf dem 1847 angelegten jüdischen Friedhof am Seltersberg in Arnsberg. Von 1897 bis 1939 wurden sie dort begraben. Bis auf Johanna Ransenberg sind von allen Grabsteine erhalten. An der Grabstätte Louis Rosenthals (gest. 1915) wird auch mit Namensnennung der fünf aus Oeventrop deportierten und umgekommenen Angehörigen gedacht.

Eine Besonderheit ist das Grab der aus Oeventrop stammenden Mathilde Ransenberg, geb. Jakob, Mutter von sechs Kindern, die im Mai 1942 in Wennemen starb und auf dem dortigen christlichen Friedhof bestattet wurde. Das Grab ist bis heute erhalten. Auf der Grabplatte mit dem Davidstern wird auch des ermordeten Sohnes Günter gedacht. Friedel Ransenberg, ein Vetter Heinz Rosenthals aus Wennemen, der Auschwitz überlebte, berichtete über Georg und Hedwig Rosenthals Tod im Vernichtungslager Auschwitz, in das sie im Frühjahr 1942 eingeliefert wurden. “Der Transport geschah mit einem offenen Eisenbahnwaggon und die Deportierten hatten mehrere Tage nichts zu essen erhalten. Bei der Ankunft wurde das Ehepaar getrennt und Hedwig Rosenthal ist offensichtlich am gleichen Tag in der Gaskammer ermordet worden. Ihr Ehemann Georg verlor nach diesem Ereignis alle Hoffnung, verweigerte die Arbeit, meldete sich krank und starb innerhalb zweier Monate.” (M. Gosmann, Hrsg., Juden in Arnsberg, 1991, S. 214).

OPFER DER NS-JUDENVERFOLGUNG AUS OEVENTROP

  1. Personen mit letztem Wohnort Oeventrop

Deportiert und ermordet:

Ransenberg, Berta, geb. 1879, Ziel Osten Ransenberg,

Mathilde, geb. 1882, Ziel unbekannt

Rosenthal, Emma, geb.Ransenberg, geb.1858, Ziel Theresienstadt

Rosenthal Klara, geb. 1893, Ziel Theresienstadt

Rosenthal, Rosalie-Emma, geb. 1896, Ziel Auschwitz

Rosenthal, Georg, geb.1894, Ziel Auschwitz

Rosenthal, Hedwig, geb. Auerbach, geb. 1891, Ziel Auschwitz

Unter besonderen Umständen gestorben:

Simon, Henriette (Henni), geb. 1910, gest. 1934, Freitod

II. Personen aus Oeventrop an anderen Wohnorten

Deportiert und ermordet:

Raphael, Elisabeth, geb. Rosenthal, geb. 1901, Berlin, Ziel Auschwitz

Simon, Berta, geb. Eichengrün, geb. 1878, Arnheim NL,Ziel Auschwitz

Klipstein, Selma, geb. Simon, geb. 1901, Arnheim NL, Ziel Auschwitz

Eichenwald, Helene, geb. Simon, geb. 1903, Erwitte, Ziel Zamosc

Rosenthal, Rosa, geb. Simon, geb.1904, Recklinghausen, Ziel Auschwitz

Unter besonderen Umständen gestorben:

Mathilde Ransenberg, geb. Jakob, geb. 1896, gest. 1942, Wennemen, Herztod nach Ermordung ihres Sohnes im KZ Wewelsburg

WORTLAUT DER GEDENKTAFEL

Hier in der Kirchstrasse lebten bis 1939/1942 die jüdischen Familien Jakob, Ransenberg, Rosenthal und Simon. Sie erlitten in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, weil sie Juden waren, schweres Unrecht. Einundzwanzig Familienangehörige retteten durch Auswanderung ihr Leben. Zwölf in Oeventrop wohnende oder hierher stammende Menschen wurden deportiert und ermordet:

Berta Ransenberg * 1879

Mathilde Ransenberg * 1882

Emma Rosenthal * 1858

Klara Rosenthal * 1893

Georg Rosenthal * 1894

Hedwig Rosenthal * 1891

Rosalie-Emma Rosenthal * 1896

Elisabeth Rosenthal (verh. Raphael) * 1901

Berta Simon * 1878

Selma Simon (verh. Klipstein) * 1901

Helene Simon (verh. Eichenwald) * 1903

Rosa Simon (verh. Rosenthal) * 1904

Ehre ihrem Andenken

Das Erinnerungsmal an der Kirchstraße neben dem früheren Hause von Berthold Jakob wurde gestaltet von dem Oeventroper Schulmann und Künstler Erhard Jaekel. Es besteht aus zwei alten Holzschwellen der Ruhrtalbahn, an denen eine bronzene Schrifttafel angebracht ist, und erhebt sich über einem Pflaster aus Blaubasaltsteinen, wie es einst die Kirchstraße hatte, als hier noch jüdische Menschen wohnten. Die Eisenbahnschwellen sind Symbol für die Reisen, die sie 1939/1942 antreten mussten: die einen zur Rettung fort in andere Länder, die anderen in den Tod. Angeregt wurde das Gedenken – aus Sorge, dass die Verfolgung der Juden, wie sie auch an diesem Ort geschah, vergessen werde – von Dr. Benedikt Höhmann, Münster, einem gebürtigen Oeventroper der Nachkriegsgeneration.

Ein literarisches Gedenken in verschlüsselter und poetisch verfremdeter Form publizierte schon 1982 die aus Oeventrop stammende Autorin Birgitta Arens (geb. 1948) in ihrem Roman “Katzengold”, der überregionale Beachtung fand. Dort erzählte sie in einem Kapitel von den Juden in “Uentrop”. Erkennbare Anknüpfungspunkte waren: der Metzger Berthold Jakob (“Bechthold”), seine Frau; der Laden, der Pogrom 1938 und Henni Simon (“Lene”). Die dörfliche Atmosphäre aus bösartiger Missgunst gegenüber den Juden und Verdrängung ihre Verfolgung einerseits und die Verzweiflung der Betroffenen andererseits werden hier eindrucksvoll dargestellt.

Auch der Verfasser (geb. 1930 in Oeventrop) hat in seinen hoch- und niederdeutschen literarischen Texten immer wieder an die jüdischen Nachbarn erinnert, so in der autobiographischen Skizze “Herkunftsort”, erstmals erschienen 1973: “Ein Schock meiner Kindheit- ich kann es nicht auslassen: was mit den Juden geschah, die wir im Dorf hatten. Ich weiß noch alle ihre Namen, und ich war damals nicht mehr als acht Jahre alt: Rosenthals und Simons, Jakobs und Ransenbergs. Plötzlich hatte man über Nacht alle ihre Läden zerschlagen; nachmittags darauf, am hellen Tage, machten ihnen Männer die Wohnungen kaputt, schmissen Sachen auf die Straße, vor meine Füße eine Schublade mit Eßbestecken, eine Packung Matzen. Ein paar Jahre später – inzwischen war Krieg – standen am Bahnhof weinend, dunkel gekleidet, ein paar Judenfrauen, ich kannte sie, ich sah, dass sie weg mussten – wohin? Später habe ich es erfahren. Keine von ihnen ist zurückgekommen.” (Westfalenspiegel, H. 1/1973).

Das Rätsel um das Haus Dürrefeld ist gelöst

Ein Bewohner dieses Hauses verursachte ein 10-jähriges Schützenfestverbot von 1840-1850

Im März 2015 richtete der AKO im OEVENTROPER KURIER und auf der Internetseite www.oeventrop.de an die Oeventroperinnen und Oeventroper diese Nachfrage:

Wer kennt dieses Haus in Glösingen?

1840 und wahrscheinlich auch noch viel später stand dieses große Haus in Glösingen!

Hier wohnte um 1817 Franz Dürrefeld zu Glösingen, der Revierförster des Forstreviers Glösingen. Später dessen Nachkommen!

Falls jemand weiß, wo dieses Haus gestanden hat oder sogar noch steht (vielleicht sehen wir ja vor lauter Latten den Zaun nicht!), den bitten wir, uns dies freundlicherweise mitzuteilen!

Insbesondere bitten wir die “Facebook-Generation” um Mithilfe, indem Sie Ihren Eltern oder noch besser Ihren Großeltern dieses Foto zeigen!

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte würde sich sehr freuen, wenn dieses Geheimnis gelüftet werden könnte!

Die Lösung kam aus Belecke!

Wir erhielten zahlreiche Hinweise, leider war aber nichts Konkretes dabei, dass uns bei der Klärung der Frage hätte weiter helfen können.

Nun, zwei Jahre danach, hat ein Bürger aus Belecke, ein Nachfahre der Oeventroper Familie Dürrefeld, beim Googeln unseren Aufruf auf oeventrop.de gefunden.

Er meldete sich telefonisch und gab der Hoffnung Ausdruck, dass wir ihm bei seiner Ahnenforschung evtl. behilflich sein könnten. Franz Dürrefeld sei sein Ur-, Ur-, Ur, Ur-Großvater und ihn interessiere natürlich das Wohnhaus, in dem seine Vorfahren in Oeventrop gewohnt hätten.

Uns blieb leider nur die Auskunft übrig, dass sich keine Oeventroper Person an dieses Haus erinnern könne und dass niemand wisse, wo dieses Haus gestanden hat.

“Da kann ich ihnen weiterhelfen. Ich habe eine Quittung der Provinzial-Versicherung aus dem Jahre 1868 vorliegen, auf der die Adresse von Franz Dürrefeld notiert ist. Das Haus hatte damals die Hausnummer 11”, war seine überraschende Antwort.

Zu damaliger Zeit wurden die Häuser ortsteilweise nummeriert. Das erste erbaute Haus bekam die Nr. 1, das Haus Dürrefeld war also das elfte in Glösingen erbaute Wohnhaus.

In der Carl-Kessemeier-Chronik “Die Ruhrdörfer” ist auf den Seiten 65 bis 69 die gesamte Oeventroper Häuserliste abgedruckt. Das Haus Nr. 11 im Ortsteil Glösingen hat den Eintrag Gottfried Kraas (Luilinges) und Hane Karl sen..

Von meinem Wohnhaus sind es gerade mal ca. einhundert Meter Luftlinie und so machte ich mich sofort nach dem Telefonanruf auf den Weg, zum Haus von Franz-Josef Hane.

Ich fragte ihn, ob ihm bekannt sei, dass dieses Haus früher das “Forsthaus Glösingen” gewesen sei und dass in diesem Haus der Förster Franz Dürrefeld seine Wohnung und seinen Dienstsitz gehabt hätte.

Franz-Josef Hane sagte, dass dieses Haus erst 1933 von seinem Opa Karl Hane erbaut wurde, nachdem das alte 1932 abgebrannt sei. Der frühere Schulrektor und spätere Landrat Karl Brüggemann habe zu ihm in seiner Schulzeit mehrfach gesagt: “Das Haus, in dem du wohnst, das war früher das Glösinger Forsthaus!”

F.-J. Hane sagte weiter, dass das alte Haus die Hausnummer 11a getragen habe und das gegenüberliegende Haus Kraas die Nr. 11b. Das Haus Kraas sei ursprünglich die Scheune des damaligen Forsthauses gewesen.

Das Haus Hane “Zum Neuen Kloster”

Sein Opa Karl sei ein Bruder des Bäckerei-Gründers Johann Hahne, er habe damals das Anwesen gekauft und wahrscheinlich die Scheune an die Familie Kraas verkauft.

Der damalige Glösinger Förster betreute das Revier von Glösingen bis zur Hirschberger Grenze. Da die Strecken für den Förster und die Waldarbeiter einfach viel zu weit waren (zum Teil 2 Stunden Fußweg hin und 2 Stunden wieder zurück) verfügte die damalige Preußische Regierung, dass auf dem Lattenberg eine Waldarbeitersiedlung nebst Forsthaus zu errichten sei. Eine solche war bereits lange zuvor in Breitenbruch aufgebaut worden. Vermutlich wurde das “Glösinger Forsthaus” verkauft, nachdem auf dem Lattenberg die neue Försterei ihre Funktion übernommen hatte. Da die Oeventroper Familie Hane ihre Wurzeln in Breitenbruch hat, ist anzunehmen, dass Karl Hane gute Beziehungen zur Forstverwaltung hatte und das Haus Dürrefeld kaufen konnte (heute Zum neuen Kloster 4).

Das Haus Dürrefeld hat auch eine tragische Geschichte erlebt. In der Rüther-Chronik von Georg Rüther steht: Im Jahre 1840 wurde das Schützenfest auf dem Berenschen Hof gefeiert. Am zweiten Festtage Montag gerithen auf dem Festplatze zwei Schützenbrüder aus Glösingen in Wortwechsel und Streit, die nach dem Feierabend des Nachts auf dem Weg nach Glösingen, wo die Oeventroper alte Knabenschule steht, in Tätigkeit überging und einer dem Anderen mit einem Messer den Leib aufschlitzte, so dass die Eingeweide heraustraten.

In drei Tagen war dieser Ant. Volmer eine Leiche. Der Täter G. Dürrefeld wurde zu 10jährigem Zuchthaus verurtheilt. Die Folge war von dieser Affäre, dass der Gemeinde auf 10 Jahre das Schützenfest Feier von der Regirung verboten wurde. Das Fest wurde 1850 erst wieder gefeiert.

Die Oeventroper Hanen haben ihre Wurzeln in Breitenbruch. Alle, bis auf die Bäckerei, schreiben sich auch heute noch ohne h. Als Johann Hane sich damals als Bäcker in Oeventrop selbständig machte, war ihm dieser Name zu kurz und nichtssagend für seine Werbung. Kurz entschlossen setzte er einfach ein h dazwischen (so die Erklärung von Franz-Josef Hane!).

Text und Fotos: Franz-Josef Molitor

Das Forsthaus Dürrfeld in Glösingen, Zum neuen Kloster 4, ist im Jahre 1932 abgebrannt! Es befand sich damals im Besitz der Familie Karl Hane, Nachfolger wurde sein Sohn Johannes Hane.

Nach dem Brand im Jahre 1932 baute Karl Hane dieses Wohnhaus. Heute wird es bewohnt von den Familien Franz-Josef Hane (Enkel von Karl, Sohn von Johannes) und Sohn Thomas mit Familie.

Noch immer den Geruch in der Nase

Ein Bericht aus der Westfalenpost

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte Oeventrop erinnert mit einer Gedenktafel an die Geschichte der alten Knabenschule. Weitere Aktionen folgen

Oeventrop. Der Arbeitskreis Ortsgeschichte Oeventrop (AKO) hat jetzt an der alten Knabenschule der Ruhrdörfer eine Gedenktafel angebracht, die mit Bild und Text die wechselvolle Historie des 135 Jahre alten Gebäudes dokumentiert.

„Ich bin selbst noch in diese Schule gegangen.“
Ein Mitglied des Arbeitskreises Ortsgeschichte

Wir schreiben das Jahr 1882. In der Gemeinde Dinschede wird auf historischem Grund die Knabenschule errichtet, ganz aus Stein. „Die müssen „steinreich“ sein!“, erregten sich die Bürger, de besaßen nur Häuser aus Holzbalken und Lehm. Historisch war der Grund, weil genau an dieser Stelle zuvor die alte Bauernschule stand, in der – hauptsächlich wintertags – die Alphabetisierung der Kinder aus den drei Bauernschaften Dinschede, Glösingen und Oeventrop begonnen hatte.

Bauwerk noch nahezu unverändert

Darüber berichtete jetzt Ludwig Hoppe bei der Enthüllung der Geschichtstafel. „Ich bin selbst noch in diese Schule gegangen und habe heute noch den Geruch des mit Terpentin getränkten Fußbodens in der Nase und kann mich noch an die langen Eichenbänke mit dem Tintenfass und den alten Kanonenofen erinnern“, weiß mancher aus dem Arbeitskreis.

Dank der Weitsicht der damaligen Entscheidungsträger ist dieses solide Bauwerk, bestehend aus zwei Lehrerwohnungen und zwei Klassenräumen, noch nahezu unverändert und immer noch Teil der Grundschule. Heute beherbergt es die GrundiKids (Ganztagsbetreuung) und das Archiv des Arbeitskreises.

Die AKO-Mitglieder haben sich im vergangenen Jahr die Aufgabe gestellt, aus dem inzwischen umfangreichen Archivmaterial Geschichtstafeln zu erstellen, die Bürgern und Besuchern die Möglichkeit bieten, wie in einem Geschichtsbuch vom Werden und Wandel des Ortes zu lesen.

So „erzählen“ zwei weitere Tafeln, die kürzlich am Missionskreuz unterhalb des ehemaligen Klosters auf dem Haarscheidt aufgestellt wurden, vom fast 100-jährigem Klosterleben in Oeventrop. An einer weiteren Tafel am alten Kirch-, Schul- und Postweg nach Rumbeck – heute der Weg unterhalb der Vogelstange – ist nachzulesen und aus altem Karten- und Bildmaterial ersichtlich, wie beschwerlich der Weg von Arnsberg über Rumbeck und Oeventrop nach Freienohl zur „guten alten Postkutschenzeit“ war.

Auf der Geschichtstafel an der Mauer von Raulfs Hof (Oeventrop) geben Bilder und Karten Auskunft über Wegezustände und Wegebau in der Mitte des 19.Jahrhunderts am Beispiel des „schmutzigen Hohlwegs, der mit befrachtetem Fuhrwerk nur sehr mühsam, für Fußgänger dagegen zu nasser Jahreszeit gar nicht zu passieren war“, wie es in der Chronik des Johann Georg Rüther heißt.

Gerd Kessler rückt die Erinnerungstafel an der alten Knabenschule unter Anleitung von Willi Linn (links) an die richtige Stelle. Foto: Ted Jones

Tafel im Ortskern soll früheren jüdischen Mitbürgern ein Gesicht geben

– In Planung sind weitere Tafeln, die im Laufe des Jahres Einblicke in die wechselvolle Industriegeschichte, die Geschichte des Ruhr-Freibades, des Eisenbahnbaus und u.a. der verschiedenen Brückenbauten geben sollen.

– Eine besondere Geschichtstafel ist im Ortskern, in Ergänzung zum bereits bestehenden Mahnmal der Judenverfolgung, geplant. Sie soll den jüdischen Mitbürgern, ihren Häusern und ihrer Arbeit „ein Gesicht“ geben.

– Für die letztgenannte Tafel bittet der Arbeitskreis die Bevölkerung aber noch dringend um Bilder von ehemaligen jüdischen Mitbürgern.

– Bei der Anbringung der Geschichtstafel an der Knabenschule wurde den drei ortsansässigen Banken (Sparkasse Arnsberg-Sundern, Spadaka Oeventrop und Volksbank Sauerland) sowie der Metallbau Firma Feldmann, die die Anfertigung der Tafeln finanziell und materiell großzügig unterstützt haben, ein besonderer Dank ausgesprochen.

Eröffnungsrede zur 1. Ausstellung von Ludwig Hoppe

Zur Ausstellungeröffnung

Historische Einblicke in Oeventrops Industrie und Handwerk“

16. November 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

verehrte Oeventroper Bürger,

liebe Mitarbeiter im Arbeitskreis,

mein letzter Satz in der Gründungsversammlung des Arbeitskreises Ortsgeschichte Oeventrop – morgen auf den Tag genau vor 2 Jahren – war:

„Was aus dieser Initiative einmal werden wird, darüber zu spekulieren ist müßig. Packen wir es an!“

Jetzt wissen wir, was daraus geworden ist: eine erste kleine Ausstellung, ein erster kleiner Einblick in das, was wir zusammengetragen haben. Was wir zeigen, ist noch bruchstückhaft, wir stehen erst am Anfang unserer Arbeit.

Denn je länger wir uns mit dem einen oder anderen Aspekt aus der Vergangenheit unseres Ortes beschäftigen, desto mehr Arbeitsfelder tun sich auf, desto mehr Wissenslücken stellen wir fest.

Zu viele Zeitzeugen sind verstorben, zu viele Dokumente sind aus Unkenntnis, manchmal auch aus Gleichgültigkeit, entsorgt und im Container gelandet.

Und doch ist es verwunderlich, was an Zeitdokumenten nach systematischem Suchen im Stadtarchiv oder durch zufälliges Entdecken auf dem Dachboden, im Keller, im alten Schuhkarton zu Tage gefördert wird und uns zur Verfügung gestellt wird.

Oft tut sich im Unscheinbaren, im scheinbar Wertlosen persönliche oder große Geschichte auf.

Ich möchte dies stellvertretend an 4 Beispielen kurz beschreiben.

Da bringt jemand die Lohntüte seines Vaters vom 3.8. 1923, ausgestellt vom Kontor der Glashütte Schönert. Darauf steht mit spitzer Feder fein säuberlich geschrieben der Monatsverdienst in Höhe von 5.026.993,00 Mark, die Steuerabgaben betrugen 406.699,00 Mark, für die Krankenkasse zahlte er 87.057,00 Mark, abzüglich weiterer Abgaben blieb ihm ein Reinverdienst von 3.845.196,00 Mark. Ein reicher Mann, ein armer Mann. Inflationszeit. Vielleicht bekam er dafür ein Brot – wenn er nur rechtzeitig beim Bäcker war.

Nebenan liegt eine Papiertüte von der HIAG für 1 kg „beste rauch- und dunstfreie Buchen-Retorten-Holzkohle“ Marke „Sparglut“, die als Bügel-(Plätt)-Kohle diente, wie auf der Tüte verzeichnet.

So tut sich mit dieser einfachen Papiertüte die gute, alte Welt der Hausfrau zu Urgroßmutters Zeit auf, die vielleicht doch nicht so gut war. Mit dem Plätteisen, gefüllt mit glühender Holzkohle, war Bügeln schwere Hausfrauenarbeit, eine heiße Angelegenheit, oft mit Brandstellen an Händen oder – was schlimmer war – am Bügel Gut.

Das elektrische Dampfbügeleisen mit Bügelstation war noch in weiter Ferne.

Auf dem Nachbartisch gibt eine Fotografie die Momentaufnahme vom Bau des Gleisanschlusses zur Zellstofffabrik Wildshausen wieder: Männer mit Hacke und Schüppe, Feldloren, Pferdefuhrwerke, eine meterhohe Erdböschung. So hackten und schaufelten sich die Altvorderen in die Landschaft, legten Straßen an und Eisenbahnen, bauten Brücken und Fabriken. Alles Große, vor dem wir heute bewundernd stehen oder auch als selbstverständlich hinnehmen, ist durch die Jahrhunderte auf dem Rücken und mit der Muskelkraft von Mensch und Tier geschaffen.

27. Dezember 1904, ein Postkartengruß aus Oeventrop von Paula an Julia. Der Kartengruß enthält das, was man sich so üblicherweise schreibt, für uns heute bedeutungslos.

Interessant nach mehr als 100 Jahren aber ist die abgebildete Ansicht von Oeventrop: nur wenige Häuser gab es in Oeventrop, in Dinschede. Heraus ragen die Kirche, gerade erst erbaut, und im Vordergrund die chemische Fabrik HIAG. 10 unterschiedlich hohe Schornsteine sind zu zählen. „Da rauchte der Schornstein!“, sagt man im Volksmund. Das bedeutete Arbeit und Brot für viele Dorfbewohner.

Über dreihundert verschiedene Postkarten von Oeventrop sind in den letzten 100 Jahren erschienen. Das sind 300 verschiedene Momentaufnahmen, die –unbeabsichtigt- den Strukturwandel eines Dorfes dokumentieren.

Es gibt Kartenfolgen da zählt man mehr als 15 Schornsteine im Ruhrtalabschnitt Oeventrop. Auf den letzten Postkarten sind sie alle verschwunden. Im digitalen Zeitalter gibt es keine einzige Postkarte mehr von Oeventrop

Alle hier ausgestellten Dokumente und Objekte erzählen Geschichten und damit Geschichte.

Meist ist es die Geschichte der „kleinen“ Leute: der Fabrikarbeiter, der Handwerker, der „Ungelernten“, der „Angelernten“. Ob die Geschichte der „kleinen Leute“ gut verläuft oder schlecht, ist immer die Folge der Entscheidungen der „Großen“. Ob die Fabriken schließen oder sich weiterentwickeln und expandieren, ob die Währung stabil ist oder inflationär, das trifft am nachhaltigsten die „kleinen Leute“.

„Wissen, was früher war…“ hatte S. Kessemeier seinen Vortrag beim 775jährigen Ortsjubiläum betitelt. Das trifft auch auf unsere Arbeit zu.

Wer weiß, wie es früher war und wie es sich bis heute entwickelt hat, geht mit dem Überlieferten verantwortungsvoller um und kann daraus die Zukunft gestalten. So kann und darf z.B. die Alte Knabenschule, in die über 130 Jahre die Schüler dieses Ortes gegangen sind, in der Schulgeschichte geschrieben wurde, die zurzeit unsere Bleibe ist, nicht einfach verramscht oder abgerissen werden.

„Wissen, was früher war…“, damit wir uns morgen für heutige Entscheidungen keine Vorwürfe machen müssen.

Ich wünsche dieser kleinen Ausstellung viele Besucher, interessante Gespräche, im besten Fall das eine oder andere noch unbekannte geschichtliche Dokument, an das man sich, angeregt durch diese Ausstellung, erinnert und vielleicht den einen oder anderen neuen Mitarbeiter.

Bleibt mir zum Schluss nur noch zu sagen: Die Ausstellung ist eröffnet.

Ludwig Hoppe

Foto: Franz-Josef Molitor

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